Anmassend und unverständlich, in der Begründung nicht stichhaltig : Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU

Publié le par reinerschleicher.over-blog.com

 

Der EU den Friedensnobelpreis zu geben ist so unpassend wie einen notorischen Taschendieb zum Chefbuchhalter eines Grossunternehmens zu ernennen.

 

Die Begründung der Jury ist wenig stichhaltig bis irreführend und unhistorisch.

 

In der Begründung heisst es unter anderem:

 

« In den 80er Jahren sind Griechenland, Spanien und Portugal der EU beigetreten. Die Einführung der Demokratie war Voraussetzung für ihre Mitgliedschaft. « 

 

Dies verlangt zu haben ist tatsächlich ein Verdienst der EU, aber die Demokratie in diesen Ländern wurde durch Menschen in diesen Ländern erkämpft und nicht durch die EU. Wer hat das Verdienst für die « Einführung » der Demokratie? Die Menschen, die unter grossen Opfern gegen Diktaturen kämpften, oder die EU-Bürokratie, die lauthals « fordert » was andere durchgesetzt haben?

 

« Der Fall der Berliner Mauer machte den Beitritt möglich für mehrere zentral- und osteuropäische Staaten. « 

 

Auch wenn es nicht eindeutig ausgesprochen wird, in diesem Zusammenhang wird der Eindruck geweckt, dass die EU für den Fall der Mauer verantwortlich sei. (Abgesehen davon, dass die Mauer kein reines Berliner Phänomen gewesen war.) Wenn jemand für den Fall der Mauer den Friedensnobelpreis verdient dann waren es die Demonstranten in Leipzig und Berlin, die für Menschenrechte gekämpft haben, nicht die EU, die auf die veränderten Verhältnisse reagierte.

 

« Über 70 Jahre hatten Deutschland und Frankreich drei Kriege ausgefochten. Heute ist Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Das zeigt, wie historische Feinde durch gut ausgerichtete Anstrengungen und den Aufbau gegenseitigen Vertrauens enge Partner werden können. « 

 

Derartige « gut ausgerichteten Anstrengungen ... » wären auch ausserhalb des EU-Rahmens, bilateral zum Beispiel, möglich gewesen. Und: Über Jahrzehnte war die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich weniger den « gut ausgerichteten Anstrengungen » geschuldet als vielmehr dem Kalten Krieg.

 

« Die Aufnahme von Kroatien als Mitglied im nächsten Jahr, die Einleitung von Aufnahmeverhandlungen mit Montenegro und die Erteilung des Kandidatenstatus an Serbien wird den Prozess der Aussöhnung auf dem Balkan voranbringen. « 

 

Unerwähnt bleibt, dass die europäischen Strukturen völlig darin versagten, diesen langen Krieg auf europäischen Boden zu verhindern oder wenigstens schnell zu beenden. Vor dem Prozess der Aussöhnung stand der Prozess des Krieges, der « ethnischen Säuberungen » und danach der weitgehenden fehlenden rechtlichen Ahndung der Täter. Ohne vorangegangenen Krieg und Schlächtereien wäre die « Aussöhnung », auf die Oslo so stolz zu sein scheint, gar nicht notwendig gewesen. Der Krieg selbst wird nicht erwähnt sondern man geht gleich über zur « Aussöhnung ».

 

Eine aussereuropäische Komponente fehlt in der Begründung der Jury völlig, sie ist fixiert auf den europäischen Kontinent, der Rest der Welt wird ausgeblendet. Hat die EU zum Beispiel als EU nennenswerte Initativen ergriffen, um den Friedensprozess im Nahen Osten zu fördern? Oder denken wir an den Irak-Krieg, in dem die Länder der EU gegensätzliche Positionen einnahmen.

 

 

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-10/friedensnobelpreis-eu-begruendung-wortlaut

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