Ideenwettbewerb (mit Preisausschreiben) unter dem Motto « Bürger helfen Staatsanwälten »

Publié le par reinerschleicher.over-blog.com

 

Ideenwettbewerb (mit Preisausschreiben) unter dem Motto « Bürger helfen Staatsanwälten »

 

Das Bild eines jüdischen Kinderfressers als nicht antisemitisch zu werten, sondern als legitime Kritik an Israels militärischem Eingreifen im Gazastreifen, wie es die Kölner Staatsanwaltschaft tat, war schon schwierig genug und nur mit viel Phantasie zu meistern. Die neueste Aufgabe, vor der die Staatsanwaltschaft nun gestellt wird mit den jüngsten Strafanzeigen von Monika Schmitz und Gerd Buurmann gegen den Betreiber der Hasswand Walter Herrmann wird noch viel schwieriger zu bewältigen sein.

 

Der Text auf Walter Herrmanns Plakat, gegen den sich die Strafanzeigen richten,lautet: « Bitte, wieviel Jahrhunderte will das israelische Volk noch unsere Eine Welt erpressen? ».

 

Die Aufgabe lautet nun: Wie kann man diesen Satz so interpretieren, dass er nicht als antisemitisch gewertet werden muss, sondern als legitime Kritik an der Politik der israelischen Regierung?

 

Die eingehenden Antworten werden der Kölner Staatsanwaltschaft zur freien Verfügung gestellt. Für die besten Antworten setzen die Veranstalter drei Preise aus:

1. Preis: Ein Exemplar des Buches Die Hasswand – Antisemitismus in der Domstadt von Monika Winter mit einer persönlichen Widmung der Autorin

2. Preis: Ein Theaterabend in Köln mit Gerd Buurman

3. Preis: Eine Reproduktion schwarz weiss DIN A 3 einer Lithographie von Reiner Schleicher « Juristen »

 

Einsendeschluss: 15. März 2011.

 

Die Antworten sind zu senden an: Editions Europarloir; 15 Grande Rue, F 44110 Châteaubriant oder per mail an: europarloir@gmail.com

 

Dieses Preisausschreiben ist eine gemeinsame Veranstaltung von Monika Schmitz, Gerd Buurmann und Reiner Schleicher

 

Köln, den 9.Februar 2011 Gerd Buurmann, Monika Schmitz

Châteaubriant, den 9. Februar 2011 Reiner Schleicher

 

P.S. Eine unlösbare Aufgabe? Ausser Konkurrenz, weil einer der Veranstalter, stelle ich hier meine persönliche Lösung dieser Aufgabe vor:

 

«  « Jahrhunderte » darf nicht wörtlich genommen werden. Es ist ähnlich zu beurteilen wie der Umgang mit den Begriffen « ewig » oder « ewig und drei Tage »im Hausgebrauch. Beispiel: Ein Ehemann wartet in einem Café auf seine Frau während diese sich in den letzten Stunden des Sommerschlussverkaufes noch ein bisschen umgucken will für ein paar Schuhe, und er behauptet dann, sie würde ihn « ewig » warten lassen. « Jahrhunderte » ist ganz ähnlich zu verstehen wie « ewig » in der Umgangssprache im Sinne von « lange », über einen « langen Zeitraum », oder auch « zu lange ».

 

«... das israelische Volk »: Der verständige Leser, der mit dem uns bereits bekannten verständigen Betrachter des Bildes eines jüdischen Kinderfressers verwandt ist oder vielleicht identisch, versteht problemlos den Esprit der Herrmannschen Lyrik: Auch das ist nicht wortwörtlich zu nehmen, es ist das israelischste der israelischen Völker gemeint: die jüdischen Siedler.

 

Die « eine Welt »: auch dies auf Köllsche Art zu interpretieren dürfte nun nicht mehr schwer fallen – es ist eine witzig-ironische Anspielung auf die Kritik einer ganzen Reihe von Staaten an der israelischen Siedlungspolitik. Auf diese Vielzahl von Staaten wird mit der überspitzten Formulierung « eine Welt » bezug genommen.

 

Bewaffnet mit diesen Argumenten kann die Staatsanwaltschaft nun schreiben, dass das Plakat unbestreitbar nichts anders ist als eine – von vielen geteilte - Kritik an der Siedlungspolitik Israels in Ost-Jerusalem und dass also die in ihm gemachten Äusserung unter das vom Grundgesetz geschützte Recht auf freie Meinungsäusserung fällt, nicht als antisemitische Volksverhetzung gewertet werden kann, usw usf.

 

Die oben aufgeführten Argumente stehen der Staatsanwaltschaft in Köln zur freien Verfügung, um Quellenangabe wird gebeten.

 

© Reiner Schleicher

 

Publié dans Satiren

Commenter cet article

Monika 10/02/2011 22:00



Ein Aktenzeichen habe ich heute bereits erhalten, diesmal sehr schnell. Weshalb so schnell? Bald ist Karneval in Köln, die Schreibtische müssen leer geräumt sein, darauf wird getanzt
und geschunkelt. So ist es eben in der Stadt des Rheinischen Humors.