Soziale Klassifizierung als politisches Argument?

Publié le par reinerschleicher.over-blog.com


kinderfresser klein

 

 

http://www.welt.de/print/wams/politik/article12303943/Dat-der-dat-darf.html

 

Ein nicht besonders spritziger Artikel von Henryk Broder. So spritzig wie eine Flasche Champagner, halb getrunken und einen Tag lang geöffnet. Die Spritzigkeit des Artikels wirkt mir etwas zu routiniert.

 

Aber darum geht es mir nicht.

 

Wie schon gehabt, ist auch dieser Artikel fokusiert auf verschiedene Persönlichkeiten, die mehr oder weniger in der Gunst des Autors stehen. Kollektive Aktionen, wie die verschiedenen Petitionen und Offene Briefe bleiben unerwähnt. Auch das Buch von Monika DIE HASSWAND nicht.

 

Aber auch darum geht es mir hier weniger.

 

 

Mit geht es hier um die soziale Klassifizierung und Deklassifizierung, mit der Broder seine Schilderung und seine Argumente stützt.


"Gerd Buurmann. 1976 im Emsland geboren, hat er Soziologie, Philosophie und Literaturwissenschaft studiert.

Der Kölner Hausfrau Monika Schmitz, die ebenfalls Anzeige erstattet hatte, teilte die Staatsanwaltschaft mit ...

... stehen zwei Männer, oft ist es auch nur einer, im lässigen Verwahrlostenlook.Der eine Mann heißt Walter Herrmann, ist 71 Jahre alt und soll mal als Lehrer an einer Volksschule gearbeitet haben. Ende der 80er-Jahre wechselte er den Beruf und wurde politischer Aktivist. Nachdem er seine Wohnung durch Zwangsräumung verloren hatte...Die Frage, wovon er lebt, beantwortet er kurz und mit einem Lächeln: "Ich war mal Lehrer." Er hat weder ein Telefon noch ein Handy. Am Lenkrad seines Fahrrads baumeln ein paar Plus-Taschen aus Jute. Längst ist ihm ein Platz in der Hall of Fame der kölschen Originale sicher: Tünnes & Schäl, Klaus der Geiger, die Bläck Fööss, Walter Herrmann."

Wir sehen: Top 1 ist Gerd Buurmann, ein studierter Mann. Weit abgeschlagen Monika, die anscheinend nicht kapiert hat, dass es einer Hausfrau nicht zusteht, Bücher zu schreiben, das bleibt Politologen überlassen, es wird jedenfalls nicht erwähnt. Und dann die wortreiche Deklassifizierung von Walter Herrmann, wie man es ähnlich auf der Achse des Guten schon öfters lesen konnte. Aber ist dessen sozialen Abstieg ein Argument? Hat ein Penner nicht nur seine Wohnung, sondern damit auch seine Bürgerrechte verloren? Ist seine Installation abzulehnen, weil er sich im "lässigen Verwahrlostenlook" kleidet und nicht mit Anzug und Krawatte? Welchem faschistoidem Typ von Leistungsgesellschaft wird da der Hof gemacht?

Ich denke, es gibt genug Argumente gegen Herrmann + Hasswand, dass man solche Schläge unter die Gürtellinie nicht braucht.

 

In Frankreich findet man einen solchen Stil nur in der rechtsextremen Presse.

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