Tunesiens Diktatoren und Frankreichs Ambivalenzen

Publié le par reinerschleicher.over-blog.com

jpg Ben-Ali-ane

 

Bildtitel: Ben Ali besser als ben Laden ...

Karikatur aus:

http://elkhadra.over-blog.com/ext/http://www.bakchich.info/IMG/jpg_Ben-Ali-ane.jpg

 

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Die Ereignisse in Tunesien stossen hier auf sehr grosses Interesse. Natürlich weil es hier eine grosse Gemeinde von Exil-Tunesiern gibt. Natürlich wegen der gemeinsamen Sprache. Nach anfangs sehr lahmen Stellungnahmen zu den Protesten hat sich Frankreich nun durchgerungen, nicht nur Ben Ali nicht Exil zu gewähren, sondern auch seine Konten zu sperren. Langsam fällt aber auch ein Licht auf den erbärmlichen Umgang vieler französischer Politiker, von rechts bis links, mit Tunesien, dessen Menschenrechtsverletzungen heruntergespielt wurden seit Jahrzehnten. Oft wurde das Regime als das BestMôgliche bezeichnet für das tunesische Volk. Auch  von den Medien. Gestern feierten Exil-Tunesier den Sieg ihres Volkes in Paris und Marseille, Tunesier kamen aus allen Ecken des Hexagone nach Paris, um vor der Botschaft zu feiern. Aber sie blieben alleine. Die französische Linke, die sofort auf die Strasse geht, wenn einem Palästinenser einen Dachziegel auf den Kopf fällt, hatte was Besseres zu tun. Wie riefen sie doch: Hoch die internationale Solidarität!

 

Nun, ganz so schlimm wie befürchtet ist die französische Linke doch nicht. Anders als das Schicksal der Palästinenser, das einem echten Linken schlaflose Nächte bereitet und ihn sofort auf die Strasse treibt, bleibt die linke Basis im Fall Tunesien zuhause und lässt sich auf den Demos vertreten durch ihre führenden Köpfe. Solidarität ja, aber kühler und reflektierter und vor allem weniger zahlreich als im Falle Israel/Palästina.


Das ganze Ausmass der mafiahaften Korruption kommt langsam ans Tagelicht. ABER JAHRZEHNTELANG WURDE DAS HIER TOTGESCHWIEGEN, es passte der französischen politischen Landschaft nicht in den Kram.

Die Gründe, wohl viele. Im Gegensatz zu Algerien war Tunesien pflegleicht. Keine forzierte Arabisierung der Sprache, keine traumatisierte Geschichte ... Um die Menschenrechtsverletzungen brauchte man sich nicht zu kümmern, denn man hörte nicht viel davon, denn wer riskiert schon Kopf und Kragen?  Heute erzählt man, dass man Ben Ali brauchte wegen seiner repressiven Politik gegenüber dem Isamismus. Auch wenn dafür ein hoher Preis bezahlt wurde, egal. Den hohen Preis zahlte nicht der Westen, nicht Frankreich oder Europa - den zahlte das tunesische Volk.

 

 

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26.1.2011

 

die tunesische Revolution gesehen von einem Karikaturisten:

 

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/komisch-uebertrieben-karikatur-des-tages;2478443;8#bgStart

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